An Absolutely Remarkable Thing von Hank Green
Rezension

An Absolutely Remarkable Thing von Hank Green | Rezension

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Hank Greens Debütroman An Absolutely Remarkable Thing, das am 28. Februar 2019 als Ein wirklich erstaunliches Ding bei Dtv erscheinen wird, zeigt die besten und schlechtesten Seiten des sozialen Internets – oder auch der Menschheit im Allgemeinen – bleibt dabei aber unnachgiebig hoffnungsvoll und optimistisch. Dieses erste Buch einer zweiteiligen Science-Fiction Serie ist unglaublich relevant, aber auch ein einfach unterhaltsame Abenteuergeschichte.

Die Story

Die Junge Designerin April May, stolpert eines Nachts über eine riesige neue Roboter-Skulptur in New York. Fasziniert von dieser Figur, die sie lediglich für ein meisterhaftes Kunstwerk hällt, beschließt sie spontan mit ihrem besten Freund ein Youtube Video mit der Skulptur, die sie Carl nennt, zu drehen und hochzuladen. Am nächsten Morgen ist ihr Leben bereits unveränderlich auf den Kopf gestellt. Identische Figuren sind gleichzeitig auf der ganzen Welt aufgetaucht und April May findet sich als die berühmte Entdeckerin und „Carl-Expertin“ im Zentrum des Mysteriums um die Carls. Denn niemand weiß woher die Carls kommen und was sie vorhaben.

An Absolutely Remarkable Thing von Hank Green

Der Autor

Hank Green ist der jüngere Bruder von John Green, dem Autor von Das Schicksal ist ein mieser Verräter und weiteren Jugendbüchern. Gemeinsam mit seinem Bruder veröffentlicht Hank Green Videos auf dem Youtube Kanal Vlogbrothers, sowie seine eigene Musik und diverse Podcasts. Er ist der Gründer der Video-Konferenz VidCon und CEO einer Online Video Produktionsfirma. Und das sind nur die wohl bekanntesten seiner Tätigkeiten. 
Nun ist er auch Autor des Romans An Absolutely Remarkable Thing.

Meine Meinung

Ich gestehe, dass ich als Fan von Hank Green auf jeden Fall voreingenommen bin und dem Buch schon vor dem Lesen positiv gestimmt war. Hank Green hat aber alle meine Erwartungen weit übertroffen. An Absolutely Remarkable Thing ist eine fesselnde Geschichte, die viele für unsere derzeitige politische und soziale Lage relevante Themen behandelt.
Ich kann es kaum erwarten den zweiten Teil der Geschichte zu Lesen.

Der Erzählstil

Wie gesagt bin ich ein Fan von Hank Green. Ich bin mit seinen Videos und Podcasts vertraut, kenne seine Stimme und Erzählweise also anderen Werken. Dennoch war ich beim Lesen von An Absolutely Remarkable Thing überrascht, wie sehr seine Stimme rüberkam. Der Hauptcharakter der Geschichte ist eine junge, bisexuelle Frau namens April May. Ganz anders als Hank Green also. Trotzdem habe ich an mehreren Stellen den Gedanken gehabt, dass sie genau wie Hank Green klingt. Das liegt daran, dass die Geschichte im Memoiren-Stil geschrieben ist. Das heißt, April May erzählt aus der Ich-Perspektive über eine Zeit in ihrem Leben, die dem Leser aus den Nachrichten etc. bekannt ist. Neben der eigentlichen Handlung gibt es viele kurze Stellen, die sich eher wie ein Sachbuch lesen. Diese beschäftigen sich unter Anderem mit der Natur von (sozialen) Medien, Ruhm und Power, Kunst und Content, Fakten und Meinungen, Branding und Vielem mehr. Diese Stellen könnten genauso gut aus einem Youtube Video Hank Greens stammen.

April May

Mal abgesehen von diesen das-klingt-wie-Hank-Stellen, unterscheidet sich April May entschieden von ihrem Erschaffer. Ihre Erfahrungen als junge Frau wirken überaus realistisch.
Nachdem ich das Buch zu Ende gelesen hatte, habe ich ein paar Rezensionen auf Goodreads gelesen. Dort habe ich mehr als einmal gelesen, dass Manche April May als unsympathisch empfanden. Ich hatte genau den gegenteiligen Eindruck. Wie jeder interessante Charakter macht sie Fehler. Dadurch, dass sie ihre Geschichte im Nachhinein erzählt, erklärt sie nicht nur ihre Bewegungsgründe, sondern drückt auch ihre Reue für ihre Fehler aus. Natürlich ist sie als Ich-Erzähler unzuverlässig. Sie ist praktisch PR Expertin geworden. Ist ihre Reue echt oder eine PR-Maßnahme? Sie gibt selber zu, dass sie nicht will, dass man sie hasst. Wie sehr manipuliert sie die Leser also? Genauso diese Fragen machen sie zu einer faszinierenden Figur und Erzählerin und ich zumindest kam nicht umhin ihr zu Glauben und sie zu mögen.

„And I’m telling you this because I want you not to hate me. You’re probably going to hate me in a couple of pages, and I’m giving you a well-rounded understanding of my psychological turbulence so that you will hate me less.“ (Seite 113)

Der Memoiren-Stil

Um noch einmal auf den Erzählstil zurückzukommen: der Memoiren-Stil ist in diesem Buch meisterhaft eingesetzt.
Zum Teil wirkt es als würde man die Abschrift eines Storytime Youtube Videos lesen. Es wirkt intim und zugänglich. „I told you there would be drama“ sagt April May ihren Lesern an einer Stelle.
Der Stil bewirkt aber nicht nur, dass man April May sympathisch findet, er dient auch hervorragend dazu Spannung und Erwartung aufzubauen. Es wird zum Beispiel mehrmals ein Datum erwähnt, an dem etwas passiert, das dem Leser bekannt sein müsste. Nur wissen wir realen Leser natürlich nichts darüber. Diese Diskrepanz zwischen dem imaginären Leser und dem realen Leser finde ich äußerst spannend.

„That interview aired on July 12, so I guess we all know what the next chapter’s going to be about. Though I’ve got a juicy detail about that day that I’ve never told anyone, so if you’re thinking of skipping, rethink.“ (Seite 211)

Mehr Hoffnung als erwartet

Angesichts des Unbekannten bilden sich oft extreme Sichtweisen, was in diesem Buch besonders gut dargestellt wird. Die Meinungen um Carl unterscheiden sich auf extremste. Vor allem die Meinungsbildung im sozialen Internet, worin Hank Green ohne Zweifel ein Experte genannt werden kann, wird äußerst realistisch dargestellt. Das besondere an dieser Erzählung ist, dass sie unnachgiebig optimistisch und hoffnungsvoll bleibt. Und das obwohl Hank Green nicht davon zurückschreckt die dunkleren Seiten der Menschheit darzustellen. Nachdem man ein ganzes Buch über gelesen hat, wie negativ Menschen auf das Unbekannte reagieren können, bereitet einem der pure Optimismus Gänsehaut.

„This is what humanity is, solidarity in the face of fear. Hope in the face of destruction.“ (Seite 242)

„Hello, Carl“

Ich habe hier hauptsächlich über den Erzählstil geschrieben, da sich hier die meisten Geister zu scheiden scheinen. Manche finden zu, Beispiel, dass Hank Green seine Gedanken besser in Sachbuchform, etwa als eine Essay-Sammlung über Internet-Ruhm, hätte verfassen sollen. Mir gefiel es jedoch, dass Buch wie Memoiren wirkte, da ich diese gerne lese.
So habe ich aber noch relativ wenig über die Handlung selbst geschrieben. Die Rätsel, vor die Hank Green seine Charaktere stellt, sind spannend; die Wendungen kommen überraschend. Ich fand die gesamte Handlung aufregend. Im Großen und Ganzen kann die Handlung als eine Mischung aus Ready Player One und dem Film Arrival bezeichnet werden. Interessante und für unsere derzeitige Zeit relevante Fragen werden in Rahmen einer spannenden Erzählung voller Rätsel erkundet. An manchen Stellen erinnerte mich vor Allem die Erzählerin außerdem an die Bücher von Meg Cabot. Ich meine die Plötzlich Prinzessin Bücher um genau zu sein, was für jene die mit den Büchern nicht vertraut sind vielleicht ein seltsamer Vergleich ist.

An Absolutely Remarkable Thing ist ein Buch, das ich absolut jedem weiterempfehle. Ein Wirklich Erstaunliches Ding kommt Ende Februar raus. Derzeit arbeitet Hank Green am zweiten Buch, dessen Erscheinungsdatum noch unbekannt ist.

Links

Zu guter Letzt möchte ich noch zu Videos und Artikel verlinken, die ich genossen habe (Alle sind auf Englisch):

Wer will kann sich auch Hank Greens Video ansehen, indem er das erste Kapitel vorliest.

Hank Green Talks About His Debut Novel, „An Absolutely Remarkable Thing“ (video)

Video: polandbananasBOOKS Review (enthält Spoiler) 

Artikel: His Novel Describes the Dark Side of Internet Fame. Hank Green Knows Something About That. 

Artikel: How YouTube icon Hank Green found hope in a story of viral fame, politics, and giant robots 
In diesem Artikel beinhaltet ein sehr gutes Interview. Besonders folgendes Zitate von Hank Green haben mich beeindruckt:

„we are all stories that we tell ourselves. I think you are a story you tell yourself and every person is, and we have this narrative that we keep in our mind that is who we are. That is why stories are so important to us as people, because ultimately, this trick of storytelling was not just a trick of communicating information, it was a trick of establishing self“


„But the question is, like, what is the story that I have become in other people’s minds, and to what extent do I control of that story, and to what extent am I out of control of that story?“

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