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Die Montagsfrage #2 – Hörbuch-Hören = Lesen?

Bevor ich diesen Blog vor wenigen Tagen eingerichtet habe, habe ich auch ein paar der ersten Beiträge bereits geplant, aber als ich heute Nachmittag die Montagsfrage entdeckte, habe ich mich spontan entschieden auch einen Beitrag zu verfassen. In der Frage geht es schließlich ums Hörbuch-Hören. Jetzt wo ich drüber nachdenke, habe ich es komplett vergessen in meinem ersten Beitrag über meine Lese-Vorlieben Hörbücher zu erwähnen. Dabei liebe ich Hörbücher. Also vielen Dank an Antonia für die spannende Frage und die Gelegenheit über Hörbücher zu schreiben.


Die Montagsfrage: Ist Hörbuch-Hören für dich mit ’klassischem’ Lesen gleichzusetzen? Oder ist beides für dich grundverschieden?

Kurzantwort: ja, für mich sind sie schon gleichzusetzen. Wenn auch nur unter bestimmten Bedingungen.

Wenn mich jemand fragt ob ich ein bestimmtes Buch, das ich als Hörbuch gehört habe, gelesen habe, würde ich „ja“ sagen. Ich ordne das Buch auf Goodreads als read ein und würde es niemals als schummeln betrachten.

Sofern die Stimme des Erzählers mich nicht völlig aus der Geschichte rausreißt, verarbeite ich die Geschichte im Kopf genauso wie Geschichten, die ich selber lese. Allerdings habe ich spezielle Präferenzen, was Hörbücher angeht.

Meine Hörbuch-Präferenzen

Wie bereits erwähnt muss es ein guter Erzähler sein, dessen Stimme einem nicht negativ auffällt. Die meisten großen Verlage sind zum Glück sehr gut darin die passenden Erzähler zu finden. Es ist so gut wie nie vorgekommen, dass ich den Erzähler nicht mochte.

Dass ich Hörbücher genauso wie „normale“ Bücher verarbeite liegt grundsätzlich daran, dass ich nur Hörbücher aus bestimmten Genres höre.

Ich kann zum Beispiel kein Sachbuch hören. Da mache ich mir einfach zu viele Sorgen, dass ich mal ganz kurz nicht aufpasse oder mich ablenken lasse und wichtige Fakten oder Erklärungen verpasse. Seltsamerweise höre ich gerne Podcasts ohne mir die selben Sorgen zu machen…

Wenn ich Bücher lese und auf Sätze stoße, die mir besonders gut gefallen, markiere ich sie gerne und mache mir Randnotizen in meine Bücher. Ich weiß, dass ist für Viele ein absolutes No-go, aber das Personalisieren von Büchern ist ein wichtiger Bestandteil meines Leseerlebnisses (nur meine eigenen Bücher natürlich. Ich bin schließlich kein Monster). Darum vermeide ich es in der Regel Klassiker oder literary fiction (das Schicksal von Allen, die Anglistik studiert haben, ist es wohl, dass sie für immer das ihnen nur die englischen Literaturbegriffe einfallen…) als Hörbuch zu hören. Womöglich liegt es an den langen Jahren an der Uni, aber der Gedanke „Was wenn ich das irgendwann, irgendwo zitieren möchte? Wie soll ich das Zitat wiederfinden?“ kommt definitiv auf.

Was für Hörbücher höre ich denn nun?

Liebesromane und Krimis. Ich finde beide dieser Genres sind von einer gewissen Spannung geprägt. Kommen sie nun zusammen? Werden sie den Täter schnappen? Wenn ich Hörbücher aus diesen Genres höre, kann ich nicht bestimmte Stellen überfliegen oder kurz einen Blick auf die letzte Seite erhaschen. Theoretisch könnte ich natürlich vorspulen, aber ich höre Hörbücher meistens während ich etwas erledige, wie den Abwasch oder die Wäsche. Also sitze ich in dieser Spannung fest. Was für viele wie ein weniger freies Leseerlebnis aussehen mag, ist für mich so etwas wie eine Erhöhung der Spannung. Was mir ehrlich gesagt gut gefällt.

Ich höre also Hörbücher von Büchern, die ich nicht ständig im Kopf analysiere oder die ich nicht zwingend markieren würde. Bücher, die ich zum reinen Vergnügen lese oder höre. Bei diesen Büchern sind hören und lesen für mich gleichwertig, mit dem Unterschied, dass das eine Medium es mir nicht erlaubt durch vorblättern mich selbst zu sabotieren und mir den Spaß zu ruinieren. Bei anderen Werken fehlt mir bei Hörbüchern aber der Raum tiefer über das Gelesene/Gehörte nachzudenken ohne gedankenverloren die nächsten Sätze zu verpassen.

Ich hoffe meine Gedanken zu Hörbüchern und vielleicht etwas seltsamen Präferenzen wurden hier einigermaßen klar und verständlich erläutert. Auf jeden Fall war es interessant über das Thema nachzudenken und ich bin jetzt schon gespannt welche Frage nächste Woche gestellt werden wird.

Zum Schluss kann ich noch die Cormoran Strike Reihe von Robert Galbraith (J.K.Rowling) gelesen von Robert Glenister und als Sprecher für Liebesromane Mary Jane Wells (z.B. The Ravenels Serie von Lisa Kleypas) und Rosalyn Landor (z.B. The Rokesbys von Julia Quinn) empfehlen. Die Hörbücher sind allerdings alle auf Englisch.

8 Kommentare

  • Mein Senf für die Welt

    Sei gegrüßt!

    „Sofern die Stimme des Erzählers mich nicht völlig aus der Geschichte rausreißt, verarbeite ich die Geschichte im Kopf genauso wie Geschichten, die ich selber lese.“
    Das finde ich total spannend, da es bei mir überhaupt nicht so ist. Beim hören läuft mein Kopfkino einfach nicht. Das ist etwas, dass ich definitiv nicht bewusst steuere, das einfach bei guten Geschichten von allein anspringt. Beim Hören bin ich aber nur noch Zuhörer, nicht mehr Beobachter, das finde ich doof. Daher sind Hörbücher wohl auch nichts für mich. Mal ganz abgesehen davon, dass ich ständig nicht aufpasse und die Hälfte verpasse ^^‘

    Montagsfrage: Hörbuch = klassisches Buch? || Mein Senf für die Welt

    Liebe Grüße
    Marina

    • Ayse

      Hallo Marina
      Vielen Dank für dein Kommentar^^ Ich finde es ebenfalls spannend wie das mit dem Kopfkino bei verschiedenen Menschen komplett unterschiedlich laufen kann. Ich habe zum Beispiel beim Hörbuch-Hören gar keine Probleme damit gleichzeitig auch Beobachter zu sein. Das scheint für mich ganz automatisch zu klappen. Sollte aber zum Beispiel, beim Lesen oder Hören, irgendwo Musik laufen? Dann bin ich extrem abgelenkt und kann mich nicht auf die Geschichte konzentrieren.
      Liebe Grüße
      Ayse

  • Herba

    Willkommen in der Bloggerwelt Ayse!
    Oh, in die Strike-Hörbücher gelesen von Robert Glenister wollte ich auch schon immer mal reinhören. Seine Stimme kann ich mir richtig gut für die Krimis rund um Strike vorstellen!

    • Ayse

      Hallo und vielen Dank!
      Ja, er macht das echt gut. Ich hoffe er liest auch das nächste Buch, Lethal White, das ja nächste Woche schon rauskommt 🙂

  • Bella

    Hallo Ayse,

    ich finde es echt spannend, dass du Hörbücher und normale Bücher genau gleich verarbeitest. Ich lasse mich da doch sehr von der Stimme, Intonation und Interpretation des Sprecher mitreisen. Bei mir ist das Kopfkino dann einfach nicht das gleiche als wenn ich ein Buch ruhig für mich alleine lese.

    Trotzdem finde ich Hörbücher nicht weniger interessant. Manchmal macht ein guter Sprecher das Buch sogar noch angenehmer!

    Liebe Grüße
    Bella

    Zu meinem Beitrag zur Montagsfrage geht es hier lang.

    • Ayse

      Hallo Bella,
      bisher hatte ich mir eigentlich kaum Gedanken um das Kopfkino gemacht und wie es bei verschiedenen Menschen komplett anders sein kann. Es gibt wohl auch viele Leute, bei denen es nie vorkommt, dass sie sich das Gelesene vorstellen. Echt spannendes Thema eigentlich 🙂

      Liebe Grüße
      Ayse

      • Bella

        Oh NEIN – Du meinst es gibt Menschen bei denen überhaupt kein Kopfkino anspringt?!?! Das ist ja schrecklich! Ich möchte mir gar nicht vorstellen wie es mir damit gehen würde, wenn so überhaupt kein Kopfkino zu Stande käme…

        Liebe Grüße
        Bella

        • Ayse

          Nicht wahr?? Ich habe vor einer Weile auf YouTube davon erfahren. Die Youtuberin Cinzia Dubois hatte mal in einem video erwähnt, dass sie sich beim Lesen nichts bildlich vorstellen kann. Ich kann leider das video nicht finden, sonst hätte ich es dir verlinkt. Sie hat irgendwann mal auch von Aphantasie gesprochen. Anscheinend gibt es tatsächlich Leute, die gar kein bildliches Vorstellungsvermögen haben. Ich kann mir auch nicht vorstellen wie sich das wohl anfühlen würde.

          Liebe Grüße
          Ayse

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