Lethal White by Robert Galbraith aka J.K. Rowling
Rezension

Rezension – Lethal White von Robert Galbraith

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Mitte September kam endlich Lethal White, das vierte Buch der Cormoran Strike Reihe von Robert Galbraith raus. Ich habe mir das englische Hörbuch angehört, das von Robert Glenister gelesen wurde. Trotz einiger Schwachstellen kann auch dieses Buch der Reihe mit den Anderen mithalten was Spannung des Falls und auch die Entwicklung der Beziehung der Charaktere betrifft.

Ich weiß es ist üblich bei einer Buchrezension zunächst den Inhalt wiederzugeben. Bei einem Krimi bin ich mir aber nie sicher wie viel ich verraten soll. Schließlich ist es viel spannender wenn man so wenig wie möglich weiß. Ich kann aber sagen, dass das Buch unmittelbar da ansetzt wo Buch 3, Career of Evil aufgehört hatte. Der Fall, den der Privatdetektiv anschließend lösen soll enthält politische Intrigen, die Geheimnisse eines mächtigen Mannes und seiner Familie und scheint eine seltsame Verbindung zu einem verstörten jungen Mann zu haben, der Strike um Hilfe bittet .

Die vorherigen Bücher der Cormoran Strike Reihe: The Cuckoo's Calling, The Silkworm und Career of Evil.
Die vorherigen Bücher der Cormoran Strike Reihe: The Cuckoo’s Calling, the Silkworm und Career of Evil

Meine Meinung zum Roman

Im Großen und Ganzen habe ich den Roman sehr genossen. Ich mag J.K. Rowlings Schreibstil, die sich ja unter dem Pseudonym Robert Galbraith schreibt. Das Geheimnis in Lethal White ist meiner Meinung nach fesselnd und hielt mich definitiv in Atem. Ich habe auch die Entwicklungen in Strikes und Robins Privatleben und ihre Beziehung zueinander genossen. Manche Missverständnisse zwischen ihnen waren aber extrem frustrierend.

Mir hat außerdem gefallen, dass Robin von den vorherigen Fällen nicht unberührt blieb. Sie leidet eindeutig unter einer posttraumatischen Belastungsstörung und ich bin froh, dass Rowling das nicht unter den Teppich fegt sondern es zu einem Bestandteil von Robins persönlicher Entwicklung macht. Cormoran Strike selber zeigte diesmal auch eine verletzlichere Seite von sich, die ich ebenfalls gerne gesehen habe. Die Beziehung zwischen Strike und Robin ist für mich der attraktivste Teil der Geschichte (auch wenn ich ein paar Vorbehalte deswegen habe, was ich unten näher erläutern werde). Ich war durchaus zufrieden damit wie diese Beziehung in Lethal White fortgesetzt wurde.

Die Schwachstellen

Lethal White ist aber bei Weitem nicht perfekt. Zum einen ist der Roman mit seinen 656 Seiten (bzw 22 ½ Stunden im Hörbuch) schlicht viel zu lang. Ich weiß, dass bei einem guten Kriminalroman mehrere Verdächtige, Rote Heringe und Täuschungsmanöver üblich sind, aber hier waren es viel zu viele.

Der Fall selber schien an manchen Stellen zu uneinig. Ich wünschte Rowling hätte sich entweder auf die politischen Intrigen oder auf das Familiendrama konzentriert, statt beides zu vernetzen. So wurde die Aufmerksamkeit des Lesers in zu viele verschiedene Richtungen gelenkt, wodurch die einzelnen Handlungsstränge an Kraft verloren. Es gibt Szenen und Charaktere, die hätten weggelassen werden können und sollen.

Hörbuchabenteuer

Wie ich bereits erwähnt habe, habe ich die Hörbuchversion von Lethal White gehört. Das Hörbuch ist, wie auch bei den bisherigen Büchern der Reihe, angenehm zu hören. Für Hörer, die nicht daran gewöhnt sind Hörbücher auf Englisch zu hören oder sonst auch nicht englische Serien oder Filme gucken, vielleicht nicht die richtige Wahl, denn die Dialekte können für ungewohnte Ohren etwas zu unverständlich sein.

Aber auch wenn man daran gewöhnt ist ständig Englisch zu hören, kann es passieren, dass man etwas falsch hört. Wie in allen Büchern der Reihe, beginnen auch die Kapitel in Lethal White immer mit einem Epigraph. Diesmal sind die Zitate aus dem Drama Rosmersholm von Henrik Ibsen. Es ist aber kein Stück, mit dem ich vertraut bin, weshalb ich auch jedes mal den Namen missverstanden habe. Das Buch hat 71 Kapitel, die alle mit einem Epigraph beginnen. Ich habe also 71 mal „Henrik Ibsen, Rosmersholm“ gehört aber peinlicherweise jedes mal „Henry Gibson, Rosamund’s Home“ verstanden. Ich habe tatsächlich zwischendurch versucht zu googeln, worum es bei Rosamund’s Home geht, konnte aber nichts finden… Erst als Rosmersholm in einer anderen Rezension erwähnt wurde, hat es bei mir Klick gemacht.

Ein anderes Nachteil des Hörbuch ist, dass es schwieriger ist ein Werk zu analysieren. Andererseits muss ich es praktisch als Hörbuch hören, weil ich sonst definitiv vorblättern und mich selbst spoilern würde (ich sollte den Drang ernsthaft unter Kontrolle kriegen). Also muss ich eine Wahl treffen: Will ich die Story genießen und mich unterhalten lassen oder will ich mich auf die Struktur etc des Romans konzentrieren. Klar, nicht alles muss analysiert werden, aber mir macht das tatsächlich Spaß. Vor allem da Rowling gerne Stilmittel, wie Allegorien, Allusionen, Parallelen innerhalb des Buches und der gesamten Reihe und Intertextualität verwendet, die ich besonders spannend finde. Es ist interessant das Buch auf verschiedenen Ebenen zu betrachten. Wer sich ebenfalls für Analysen und Interpretationen interessiert, kann wie ich auf hogwartsprofessor vorbeischauen (die Beiträge dort sind auf Englisch).

Das Pseudonym vs. Die Schriftstellerin

Als ich diese Rezension anfing, war ich tatsächlich ein wenig zwiegespalten. Soll ich als Autor Robert Galbraith nennen, obwohl allgemein bekannt ist, dass das J.K. Rowlings Pseudonym ist oder rede ich von Rowling als Autorin obwohl Robert Galbraith auf dem Buch steht? Es hilft auch nicht gerade sich Beispiele aus der Literaturgeschichte anzusehen. Wir sagen z.B. George Eliot und nicht Mary Anne Evans oder Lemony Snicket und nicht Daniel Handler. Andererseits nennen wir die Brontë Schwestern als Charlotte, Emily und Anne und nicht als Currer, Ellis und Acton Bell. Ich frage mich wirklich ob es da Regeln gibt oder wie sich das festsetzt welchen Namen wir für Autoren mit Pseudonymen benutzen.

Andere Formate und die Deutsche Übersetzung

Es gibt im Übrigen auch eine BBC Serie der Cormoran Strike Reihe. Ich habe letzte Woche alle bisher erschienen Folgen gesehen und fand sie hervorragend. Cormoran Strike wird von Tom Burke und Robin Ellacott von Holliday Grainger gespielt, die beide fantastisch in ihren Rollen sind. Ich kann die Serie wärmstens weiterempfehlen.

Auf Deutsch wird Lethal White im Übrigen als Weisser Tod am 27.12.2018 beim Blanvalet Verlag erscheinen.

Was die Zukunft der Reihe betrifft, es ist zwar bekannt, dass Rowling weitere Bücher in der Serie plant, aber noch völlig unklar, wann wir das nächste Buch erwarten können. Da Rowling mit den neuen Fantastische Tierwesen Filmen und Lumos beschäftigt ist, erwarte ich das nächste Buch nicht so bald.

Die Robin-Strike Beziehung und meine Vorbehalte (leichte Spoiler)

Zuletzt will ich näher auf die Beziehung zwischen Robin Ellacott und Cormoran Strike eingehen (Ich habe das aber bis zum Schluss aufgehoben, weil dieser Teil für Manche etwas zu spoilerhaft sein kann. Wer nicht mal Andeutungen zum Beziehungsstatus der zwei Detektive lesen will, kann diesen Teil einfach überspringen.)

Ich gehöre definitiv zu den Leuten, die Robin und Cormoran gerne in einer romantischen Beziehung sehen würden. Mir gefällt, dass sich die beiden auf einer tiefen Ebene verstehen und wie sich ihre Gedanken um einander drehen. Es gibt natürlich viele Momente wo sie sich missverstehen oder Dinge annehmen, die nicht wahr sind, aber das trägt zu Spannung bei und würde ein gutes Ende umso besser machen. Sie passen eindeutig besser zusammen als Robin und Matthew. Robin und Strike haben manchmal Kommunikationsprobleme, aber die Probleme zwischen ihr und Matthew sind viel schwerwiegender. Deshalb war ich auch überrascht, dass sie überhaupt so lange mit ihm zusammen geblieben ist. Er tut viele Dinge in Lethal White, die einen wütend machen können.

Allerdings gibt es eine bestimmte Sache, die mich an ihrer Beziehung stört: Robin ist Strikes Angestellte. Inzwischen hat Robin zwar eine höhere Position in der Agentur (die Zwei bezeichnen sich gegenseitig auch als Partner), aber es ist im Grunde immer noch Strikes Agentur. Er ist ihr Mentor. Dieses Machtungleichgewicht hinterlässt doch einen negativen Nachgeschmack. Ich würde mir also wünschen, dass Robin und Strike komplett gleichwertige Partner in der Agentur sind, bevor die beiden zusammenkommen.

Ein kleiner Bonus

Lethal White spielt in 2012, als die Olympischen Spiele in London stattfanden und es gibt eine bestimmt Stelle, in der Strike sich die Eröffnungsfeier im TV ansieht. Das Ganze ist um einiges amüsanter, wenn man sich daran erinnert, dass J.K. Rowling selber in der Eröffnungsfeier war, ebenso eine riesige Voldemort Figur. Die Stelle, in der Rowling vorkommt war ein Tribut an die NHS und Kinderliteratur. In Lethal White gibt es einen Charakter, der die Stelle als „zu PC“ kritisiert und meint das internationale Publikum würde sich doch nicht für die NHS interessieren. Rowling selbst wird oft vorgeworfe zu politisch zu sein.

Der Gedanke, dass Strike Rowling im TV sieht ist wirklich fantastisch. Vielleicht hätte ich in diesem Beitrag also von Galbraith als den Autor des Buches reden sollen, denn schließlich existiert Rowling selber ja scheinbar im Cormoran Strike Universum.

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